Die ehemalige Grafschaft Glatz, im Mittelalter Zankapfel zwischen dem
piastischen Polen und dem Herrschaftsgebiet der böhmischen Přemysliden,
wurde mit dem Glatzer Pfingstfrieden 1137 Bestandteil des Königsreichs
Böhmen und ging mit diesem 1526 in die Hände des Habsburgerreiches über.
Mit der Eroberung Schlesiens durch König Friedrich II. wurde das
Bergland 1763 endgültig der preußischen Provinz Schlesien angeschlossen.
Schon
im 19. Jahrhundert durch seine zahlreichen Heilbäder als „Gesundbrunnen
Deutschlands“ überregional bekannt, prägten jedoch von jeher mehr als
achtzig Adelssitze mit zum Teil weitläufigen Parkanlagen diese
Kulturlandschaft. Mit ihren Wirtschaftshöfen waren sie zugleich
ökonomische, gesellschaftliche und kulturelle Bezugspunkte für die
ländliche Bevölkerung. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dem
Übergang Schlesiens an Polen und dem damit verbundenen
Bevölkerungsaustausch wurde dieser historischen Kontinuität eine Zäsur
gesetzt, die sich auch im Umgang mit den Schlösser und Herrenhäuser
niederschlug. Viele dieser, soweit sie nicht durch staatliche
Einrichtungen weitergenutzt wurden, verfielen in der Folgezeit zu
Ruinen.
Mit der politischen Wende in Osteuropa erfolgte jedoch
eine deutliche Kehrtwendung, die diesem gemeinsamen kulturellen Erbe von
Deutschen und Polen wieder neue Überlebenschancen eröffnet.
Die
in diesem Vortrag vorgestellten Revitalisierungsprojekte zahlreicher
Adelssitze, darunter der Schlösser Grafenort/Gorzanów, Scharfeneck/Sarny
oder des Herrenhauses von Kamnitz/Kamieniec zeigen, dass diese reiche,
malerisch von den Sudeten umrahmte Kulturlandschaft zukünftig durchaus
mit dem „Schlesischen Elysium“, dem Hirschberger Tal am Rande des
Riesengebirges konkurrieren kann.
Im Juni 2024 wird dazu eine mehrtägige Studienreise angeboten. Nährere Informationen dazu hier.
Veranstaltungsort
Haus Schlesien Dollendorfer Str. 412 53639 Königswinter Tel.: 02244-8860
Historische Gutsanlagen mit ihren Schlössern und Parks sind architektonische Zeugnisse, die vor allem die Kulturlandschaften östlich von Oder und Neiße prägen. Zu diesen gehört insbesondere auch das östlich von Stettin/Szczecin gelegene Hinterpommern, das sich heute über zwei polnische Woiwodschaften erstreckt. Ein wenig im Schatten der Schlösserlandschaften Ostpreußens und Schlesiens stehend, bietet diese Region dennoch eine Vielzahl von beeindruckenden Adelssitzen, deren Gründungen u. a. die aus slawischem Adel stammenden Greifenherzöge, der Johanniterorden, vor allem aber Lokatoren aus den westlichen Gebieten des Hl. Römischen Reiches initiierten.
Neben einem kurzen historischen Abriss zur Entwicklung exemplarischer Gutsanlagen nimmt der Vortrag insbesondere die Entwicklung seit den 1990er Jahren in den Fokus. Längst sind etliche Schlossanlagen im Besitz wohlmeinender Eigentümer und Initiativen, die diese im Sinne eines gesamteuropäischen Kulturerbes renovieren und revitalisieren.
Im April 2024 wird dazu eine mehrtägige Studienreise ab Berlin angeboten. Nähere Informationen dazu hier.
Veranstaltungsort
Haus des Deutschen Ostens
Am Lilienberg 5
81669 München
Tel.: 089/4499930
Schlösser und Parkanlagen der ehemaligen Grafschaft Glatz
Die ehemalige Grafschaft Glatz, während des Mittelalters Nahtstelle zwischen Polen und dem Herrschaftsgebiet der böhmischen Přemysliden, wurde später Bestandteil des Königsreichs Böhmen und ging mit diesem 1526 in die Hände des Habsburgerreiches über. Mit der Eroberung Schlesiens durch Friedrich II. wurde das Bergland 1742 der preußischen Provinz Schlesien angeschlossen und durch seine zahlreichen Heilbäder bald darauf als „Gesundbrunnen Deutschlands“ überregional bekannt. Landschaftsprägend waren jedoch vor allem die mehr als sechzig Schlösser und Herrenhäuser, deren jahrhundertealte Ensembles mit weitläufigen Wirtschaftshöfen und Parkanlagen sowohl ökonomische und gesellschaftliche Bezugspunkte der dörflichen Bevölkerung waren. Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs und dem Übergang Schlesiens ans Polen wurde dieser kulturellen Kontinuität durch den nahezu vollständigen Bevölkerungsaustausch eine Zäsur gesetzt, die sich auch im Umgang mit der Architektur des Adels niederschlug. Viele dieser Bauten, soweit sie nicht durch staatliche Einrichtungen weitergenutzt wurden, verfielen oder wurden beseitigt. Spätestens jedoch seit der politischen Wende in Osteuropa ist sowohl bei den zuständigen Behörden als auch in der Bevölkerung des Landes eine deutliche Kehrtwendung zu spüren, die diesem gemeinsamen kulturellen Erbe von Deutschen und Polen wieder neue Überlebenschancen eröffnet. Die Wanderausstellung, entstanden in deutsch-polnischer Zusammenarbeit, illustriert sieben Jahrhunderte Adelsgeschichte dieser bemerkenswerten Region Schlesiens. In thematischen Exkursen werden verschiedene Aspekte zur Architektur der Schlösser, ihrer Auftraggeber und ihrer heutigen Bedeutung für die Kulturlandschaft beleuchtet. Zudem werden etwa dreißig ausgewählte, in Kurzbiographien beschriebene und mit historischem und aktuellem Bildmaterial illustrierte Adelssitze vorgestellt. Ein deutsch-polnisches Ausstellungsprojekt von Monumenta Silesiae e.V., Görlitz, und dem Muzeum Ziemia Kłodzkiej/Museum des Glatzer Landes, Kłodzko/Glatz.
Idee, Konzeption und Projektleitung: Arne Franke M. A., Berlin Layout: Hubert Graml, Berlin
Ausstellungsaufbau im Museum des Glatzer Landes/Muzeum Ziemi Kłodzkiej, Glatz/Kłodzko, 2006
Ausstellungsaufbau im Museum des Glatzer Landes/Muzeum Ziemi Kłodzkiej, Glatz/Kłodzko, 2006
Ausstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz, 2008
Ausstellung im Rathaus von Bensheim/Hessen, 2009
Ausstellung im Rathaus in Oelde/NRW, 2009
Ausstellung in der Johanniter-Kommende in Buro/Sachsen, 2009
Dauerausstellung in Schloss Grafenort/Gorzanów (PL/seit 2017)
Dauerausstellung in Schloss Grafenort/Gorzanów (PL/seit 2017)
Dauerausstellung in Schloss Grafenort/Gorzanów (PL/seit 2017)
Die Grafschaft Glatz, eine Grenzregion zwischen Schlesien und dem historischen Böhmen, besticht nicht allein durch die zahlreichen, heute wieder auflebenden Heilbäder und die malerische Landschaft der umgebenden Gebirge, sondern auch durch die hohe Konzentration an wertvollen und erhaltenswerten Baudenkmälern. Rund 80 Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in hoher künstlerischer Qualität finden sich in der Grafschaft Glatz. Diese sind ein architektonisches Spiegelbild der wechselhaften Landesgeschichte unter polnisch-piastischer, böhmischer, habsburgischer, dann preußischer und bis 1945 deutscher Hoheit.
Der Vortrag schildert anhand historischem und aktuellem Bildmaterial die Geschichte des Landes und seiner Adelssitze – und zeigt neben den traurigen Beispielen für den nach 1945 einsetzenden rapiden Schlösserverfall einige der inzwischen zahlreichen Revitalisierungsprojekte. Zu diesen zählen beispielsweise die einst den Grafen Herberstein gehörende frühbarocke Schlossanlage von Grafenort/Gorzanów, ebenso wie die Schlösser von Mittelsteine/Ścinawka Średnia oder Scharfeneck/Sarny. Auch die inzwischen als elegante Schlosshotels und -pensionen genutzten Schlösser Kunzendorf/Trzebieszowice, Kamnitz/Kamieniec oder Pischkowitz/Piszkowice werden in diesem Vortrag entsprechend vorgestellt.
Im Juni 2024 wird dazu eine mehrtägige Studienreise angeboten. Nährere Informationen dazu hier.
Auch in Oberschlesien findet sich eine sehr hohe Dichte an Adelssitzen, verbunden mit zum Teil weitläufigen Parkanlagen. Insbesondere mit der Industrialisierung und dem damit zunehmenden Wohlstand von Adel und Großbürgertum wurden zahlreiche Schlösser aufwändig umgebaut und vergrößert. Zu den größten Residenzen der Zeit gehörten die Schlösser der Grafen Hochberg und Fürsten von Pless in Pless/Pszczyna, der Gräflichen Familie von Ballestrem in Plawniowitz/Pławniowice und das pittoreske Schloss der Familie von Tiele-Winckler in Moschen/Moszna.
Zum renaissancezeitlichen und barocken Kulturerbe zählen beispielsweise die Schlösser Zyrowa/Żyrowa und Oberglogau/Glogówek, in dem Ludwig van Beethoven 1806 zu Gast war und seinem Gastgeber, dem Grafen Franz von Oppersdorf seine 4. Symphonie widmete. Beide befinden sich derzeit „in restauro”, wohingegen das neogotische Schloss in Lubowitz/Łubowice, in dessen Vorgängerbau der Schriftsteller und Lyriker Joseph von Eichendorff 1788 das Licht der Welt erblickte, weiterhin eine malerische Schlossruine bleiben wird.
Der reich illustrierte Vortrag spannt anhand historischem und aktuellem Bildmaterial den Bogen von den piastischen Residenzen des Spätmittelalters bis zur heutigen Zeit und berücksichtigt dabei nicht nur die großen Familien und ihre Häuser, sondern zeigt auch die politischen Brüche – insbesondere nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg – auf.
Im Juni 2024 wird dazu eine mehrtägige Studienreise angeboten. Nährere Informationen dazu hier.
Die etwa 100 Kilometer östlich Berlins sich erstreckende Neumark, jenseits der Oder und damit seit 1945 in Polen liegend, ist mit seiner reichen Kulturgeschichte sowohl für Polen als für Deutsche zumeist eine völlige „terra incognita“.
Die im Mittelalter als „terra
transoderana“ bezeichnete, dünn von Slawen besiedelte Region stand zunächst
unter der Herrschaft der polnischen bzw. schlesischen Piasten. Deren
Besiedlungspolitik zog ab dem 12. Jahrhundert zunehmend deutsche Kolonisten in
das Land, für die Städte, Dörfer und Klöster gegründet wurden. Zudem kam das
Gebiet zunehmend unter den Einfluss Brandenburgs, dessen östliche Grenzmark es
ab Mitte des 13. Jahrhunderts wurde. Seither teilte das Land weitgehend das
Schicksal von Altmark und Mittelmark, wurde mit dem 14. Jahrhundert integraler
Bestandteil des Kurfürstentums, ab 1701 Provinz des Königreichs Preußen und
verlor den Namen Neumark schließlich, nachdem die Region 1815 in der neu
eingerichteten Provinz Brandenburg aufging.
Mit dem Zweiten Weltkrieg wurden
viele der Städte und Dörfer, die unmittelbar in der Hauptkampflinie östlich von
Berlin lagen, wie beispielsweise die alte Residenzstadt Küsterin/Kostrzyn,
schwer zerstört – nach dem Fall an Polen im August 1945 und der Vertreibung der
deutschen Bevölkerung versank die Region hinter dem „Eisernen Vorhang“ in
nahezu völliger Bedeutungslosigkeit.
Seit der politischen Wende in
Ostmitteleuropa erfreuen sich die heutigen Polen gelegen Ostprovinzen
Deutschlands einer wachsenden Beliebtheit bei deutschen Kulturtouristen. Doch
nachdem Ost- und Westpreußen, Schlesien und auch Hinterpommern längst seine Liebhaber
gefunden haben, fristet die Neumark – zu Unrecht – noch immer ein
Schattendasein.
Diese Studienreise begibt sich nun auf die Spurensuche der wechselvollen Geschichte und ergründet diese anhand seines architektonischen Erbes, das mit großartigen Stadt- und Dorfkirchen, wie der im Wiederaufbau begriffenen Marienkirche von Königsberg/Chojna oder der ehemaligen Wallfahrtskirche in Brietzig/Brzesko, eindrucksvollen Adelssitzen, wie der einstigen Johanniter-Burganlage in Lagow/Łagów, des klassizistischen Schlosses von Prillwitz/Przelewice, des Neuen Schlosses in Königswalde/Lubniewice oder des exzellent restaurierten neugotischen Schlosses von Merenthin/Mierzęcin. Daneben waren es auch die geistlichen Orden, die sich bei der Erschließung des Landes verdient gemacht haben, ob nun die Zisterzienser des heute exzellent restaurierten Klosters von Paradies/Gościkowo oder die Ordensritter der Johanniter, die in Sonnenburg/Słońsk ihren Balleisitz hatten. Neben gut erhaltenen und restaurierten Bauwerken werden wir auf dieser Reise u. a. am Beispiel des Schlosses Dölzig/Dolsk, der ehemaligen Hohenzollernresidenz in Wildenbruch/Swobnica oder des Fachwerkgutshauses von Niepölzig/Niepołcko einige erstaunliche Wiederaufbauprojekte kennenlernen, die das zunehmende Engagement der polnischen Nachbarn für das gemeinsame Kulturerbe von Deutschen und Polen belegen.
Lagow/Łagów | Neben der gut erhaltenen Burganlage ist auch das am See gelegene Städtchen sehenswert, in dem sich die Vorburg mit Toranlage und einige Fachwerkhäuser erhalten haben.
Paradies/Gościkowo | Im Innern der barockisierten Klosterkirche sind – u. a. nach aufwändigen Freilegungen – noch etliche Details des nach wie vor erhaltenen gotischen Baukörpers erhalten, wie beispielsweise die schlichten Kreuzrippengewölbe. Ebenfalls zeit- und ordenstypisch sind die Abkragungen der Gewölbedienste, die als Wandvorlagen durch gotische Konsolen abgefangen werden.
Lagow/Łagów | Durch die brandenburgischen Askanier als Grenzburg zum piastischen Großpolen gegründet, ging die Anlage 1350 an den Johanniterorden, der die heutige Ordensburg errichtete. Ende des 17. Jahrhunderts in Teilen barockisiert, überstand die Gesamtanlage die Zeiten bis heute ohne gravierende architektonische Eingriffe. Charakteristisch für die Ordenssitze der Johanniter ist der im oberen Teil zylindrisch ausgeformte Bergfried, der zu den ältesten Teilen der Gesamtanlage zählt.
Königswalde/Lubniewice | Im malerisch am Lübbens-See gelegenen Städtchen gibt es gleich zwei Schlösser. Das ältere, ein Bau des Klassizismus, befindet sich jedoch in einem sehr verwahrlostem Zustand. Das Neue Schloss, Ende des 19. Jahrhunderts durch die Familie von Waldow-Reitzenstein errichtet und 1909 durch einen markanten Turm den Seeflügel im Reformstil nach Entwürfen des Architekturbüros Dinklage, Paulus und Lilloe erweitert, ist heute im Besitz eines Vertreters des polnischen Hochadels, der es seit Jahren restauriert und als Sommerresidenz nutzt.
Waitze/Wiejce | Das nahe des Ufers der Warthe/Warta gelegene Schloss, bis 1945 im Besitz der Familie von Bennigsen, wurde in den letzten Jahren aufwändig renoviert und zu einem Schlosshotel adaptiert.
Sonnenburg/Słońsk | Im Innern der Johanniterkirche dominiert das zwischen 1520 und 1522 errichtete Stenrgewölbe, dessen originale Fassung seit den 1990er Jahren restauriert wurde.
Sonnenburg/Słońsk | Nur eine traurige Ruine (Foto von 2014) blieb von dem einst prächtigen Balleisitz des Johanniterordens. Das Schloss, das zu den bedeutendsten frühbarocken Herrensitzen in Brandenburg zählte, brannte 1975 völlig aus. Jüngst jedoch wurde die Ruine baulich gesichert und für eine öffentliche Nutzung vorbereitet.
Tamsel/Dąbroszyn | Das heutige Schloss, 1851 neogotisch überformt, geht auf einen Barockbau der Familie von Schönig zurück. Der seit Jahren verwaiste, mehrmals zum Verkauf angebotene Bau war im 18. Jahrhundert ein bekannter Musenhof, in dem auch der spätere preußische König Friedrich der Große häufig zu Gast war.
Marienwalde/Bierzwnik | Große Teile der gotischen Konventsgebäude einschließlich Teilen des Kreuzganges sind bis heute erhalten und werden sukzessive restauriert. Hier rechts der Eingang zum ehemaligen Refektrorium.
Mehrenthin/Mierzęcin | Das exzellent restaurierte neogotische Schloss wird eines der noblen Quartiere auf dieser Studienreise sein.
Niepölzig/Niepołcko | Das Gebäude zählt zu den wenigen noch erhaltenen Sichtfachwerk-Gutshäusern östlich der Oder. Der nach 1717 errichtete Vorgängerbau wurde Ende des 18. Jahrhunderts durch die Familie von Waldow durch den heutigen Bau ersetzt. Nach 1945 als Unterkunft für „Repatrianten“ genutzt, zerfiel das Haus seit den 1990er Jahren zu einer völligen Ruine, konnte aber durch das Engagement einer polnischen Privatinitiative gerettet und mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland renoviert werden.
Prillwitz/Przelewice | Das klassizistische Schloss ließ der Geheime Finanzrat August Heinrich von Borgstede um 1800 errichten. Für den Entwurf des eleganten Adelssitzes wird der Berliner Architekt Heinrich Gentz angenommen
Prillwitz/Przelewice | Zum gleichnamigen Schloss gehört ein weitläufiges Arboretum mit einem frühen japanischen Garten, der durch den damaligen Eigentümer der Anlage, Conrad von Borsig in Zusammenarbeit mit der Berliner Späth´schen Baumschule angelegt wurde.
Dölzig/Dolsk | Der in der Neumark gelegene, 1845 errichtete Adelssitz – bis 1945 im Besitz der Familie von Tresckow – verkam nach 1945 zu einer völligen Ruine, von der lediglich die Außenwände erhalten waren. Durch eine deutsch-polnische Familie erworben, wurde das Schloss aufwändig rekonstruiert – die Aufnahme zeigt den Zustand 2015.
Wildenbruch/Swobnica | Die Schlossanlage einer Nebenlinie der Hohenzollern, deren markanter zylindrische Wehrturm noch den Ursprung als Johanniter-Ordensburg zurückgeht, wurde nach dem Verkauf der Anlage an die Gemeinde Banie (Bahn) baulich gesichert. Seither sind die wertvollen frühbarocken Stuckdecken im Schloss zumindest nicht mehr akut gefährdet. Eine Gesamtinstandsetzung der Anlage steht jedoch nach wie aus.
Zehden/Cedynia | Das Ende des 13. Jahrhunderts unweit der Oder gegründete ehemalige Zisterzienserinnenkloster wurde mit der Reformation eine kurfürstlich-brandenburgische Domäne. Zu ende des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt, wurde der Westflügel mit dem einstigen Refektorium und dem darüberliegenden Dormitorium zu einem Hotel ausgebaut.
Küstrin/Kostrzyn nad Odrą | Die einstige Festungsstadt, am Zusammenfluss von Oder/Odra und Warthe/Warta u. a. durch den Deutschen Orden entwickelt und im 16. Jahrhundert Hauptstadt des kurzlebigen Markgraftums Neumark wurde bei den Endkämpfen 1945 nahezu völlig zerstört. Danach verwildet und zugewachsen, wird das Zentrum der einstigen Stadt seit den 1990er Jahren ausgegraben und bietet einen spannenden Geschichtspfad.
Königsberg/Chojna | Der mit einem markanten Staffelgiebel ausgestattete Rathausbau geht auf das frühe 14. Jahrhundert zurück und wurde vermutlich – wie die Marienkirche – durch den Baumeister Hinrich Brunsberg vollendet. Nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaut, beherrscht das einst von Häusern umgebene Gebäude den großen Marktplatz.
In kaum einer anderen Region Europas wird der Choral Martin Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“ architektonisch so versinnbildlicht wie durch die im südlichen Siebenbürgen gelegene Kirchenburgenlandschaft. Geschaffen durch die seit dem späten 12. Jahrhundert in den Karpatenbogen eingewanderten „Siebenbürger Sachsen“ entstanden infolge der osmanischen Bedrohung ab dem späten 14. Jahrhundert mehr als 300 dieser wehrhaften Gesamtensembles.
Schon früh fand die Reformation auch bei den Siebenbürger Sachsen einen starken Widerhall. Nachdem der Reformator Johannes Honterus 1547 für diese die „Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen“ verfasst hatte, war das „wehrhafte Sachsenland” eine evangelisch-lutherische Enklave im Südosten Europas.
Sie besichtigen neben dem Weltkulturerbe-Dorf Deutsch-Weißkirch/Viscri und dem ehemaligen Bischofssitz in Birthälm/Biertan auch einige weniger bekannte, aber für die einstige oder heutige Entwicklung des Landes exemplarische Dörfer mit beeindruckenden Kirchenburgen, in deren Gotteshäuser wir den reformationsbedingten Veränderungen im Kirchenbau nachspüren, aber auch den bewahrenden Charakter des Luthertums kennen lernen, der bemerkenswerte Teile des vorreformatorischen Kulturerbes konservierte und weiterhin in Ehren hielt. Nicht weniger faszinierend sind die Städte Siebenbürgens, deren Architektur beredte Abbilder der kulturellen Leistungen der „Sachsen“ sind. Nach Hermannstadt/Sibiu, der „Kulturhauptstadt Europas“ im Jahre 2007 erkunden wir Mediasch/Mediaș , die unter UNESCO-Schutz stehende Stadt Schäßburg/Sighişoara und das pulsierende Kronstadt/Brașov.
Zudem begegnen wir zahlreichen beeindruckenden Persönlichkeiten und Organisationen, die sich für den Erhalt der einzigartigen Kultur Siebenbürgens einsetzen. Sie berichten aus erster Hand über ihre Projekte und öffnen damit neue Perspektiven auf die Region, ihre Chancen und Herausforderungen.
Hermannstadt/Sibiu | Blick vom Turm der Stadtpfarrkirche auf den „Kleinen Ring“ mit Ratturm und katholischer Pfarrkirche
Hermannstadt/Sibiu | Die evangelische Stadtpfarrkirche bildet historisch wie auch heute nach wie vor das Zentrum Stadt. Der Bau, der auf eine Kirchenburg der frühen Besiedlungszeit zurückgeht, wurde in den letzten Jahren grundlegend restauriert.
Hermannstadt/Sibiu | Blick auf den „Großen Ring” mit der im 18. Jahrhundert durch die Habsburger platzierten katholischen Pfarrkirche; links daneben das heutige Bürgermeisteramt.
Hermannstadt/Sibiu | Die 1672 von Johann Fest (1630–1694) geschaffene Orgel der Stadtpfarrkirche, die 1914/15 ein neues Werk der renommierten Firma Sauer, Hermannstadt/Sibiu | Die 1672 von Johann Fest (1630–1694) geschaffene Orgel der Stadtpfarrkirche, die 1914/15 ein neues Werk der renommierten Firma Sauer, Frankfurt (Oder) erhielt, ist mit 6602 Pfeifen, 85 Registern und ebenso vielen Nebenregistern die größte Kirchenorgel Rumäniens.
Michelsberg/Cisnădioara | Mit der sogenannten Burgkirche in Michelsberg hat sich eine romanische Basilika erhalten, die in weitgehend originalem Bauzustand konserviert ist. Mit ihrer umgebenden Wehrmauer repräsentiert sie das früheste noch erhaltene Beispiel einer siebenbürgischen Wehrkirche.
Michelsberg/Cisnădioara | Das eindrucksvolle Westportal der romanischen Kirche zeigt mit seinen Kerbschnittkapitellen den ursprünglich angestrebten repräsentativen Charakter der heute so schlicht erscheinenden Kirche.
Kerz/Cârța | Die östlichste Niederlassung des 1098 gegründeten, ursprünglich von Burgund ausgehenden Zisterzienserordens befindet sich in dem kleinen siebenbürgischen Dorf Kerz. Die Klosterkirche des bereits vor der Reformation aufgelösten Konvents weist typische frühgotische Stilmerkmale auf, wie sie sich bei den meisten europäischen Ordensniederlassungen beobachten lassen.
Holzmengen/Hosman | Blick auf das im idyllischen Harbachtal gelegene Dorf mit herausragender Kirchenburg, dahinter die schneebedeckten Berge des Fogarascher Gebirges, einem Gebirgszug der Südkarpaten.
Kleinschenk/Cincşor | Die kleine Kirchenburg mit den pittoresken Fachwerkaufsätzen der Türme und der exzellent restaurierten Pfarrkirche bietet mit dem ebenfalls renovierten Pfarrhaus, das heute eine Pension beherbergt und den typisch-sächsischen Höfen ein stimmungsvolles Dorfensemble.
Trappold/Apold | Zu den schönsten Kirchenburgen des idyllischen Harbachtals zählt die des kurz hinter Schäßburg gelegenen Dorfes. Seit Jahren durch einen sehr engagierten „Burghüter” baulich erhalten, wurde sie nun im Rahmen eines EU-Programms restauriert.
Schäßburg/Sighişoara | Die pittoreske Stadt mit seiner wohlerhaltenen, von einer vielbetürmten Stadtmauer umgebenen Oberstadt („Burg“), den historischen Wohnhäusern und der Bergkirche mit der ehrwürdigen „Schola Majoris“, dem heutigen Joseph-Haltrich-Gymnasium ist seit 1999 ein Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Mediasch/Mediaș | Das Zentrum des „Kirchenkastells”, einer der wenigen erhaltenen Stadtkirchenburgen Siebenbürgens bildet die Margarethenkirche. Deren Inneres birgt wertvolle vorreformatorische Wandmalereien sowie einen im ausgehenden 15. Jahrhundert geschaffenen Flügelaltar, der zu den bedeutendsten Retabeln Siebenbürgens zählt.
Mediasch/Mediaș | Seit 1725 erklingt in der Margarethenkirche die wunderbar staffierte und ebenso klingende Orgel von Johannes Hahn, ein Orgelbauer, dessen herausragende Schöpfungen sich mit denen des sächsischen Orgelbauers Silbermann messen können.
Birthälm/Biertan | Die Kirchenburg, deren kunst- und architekturgeschichtliche Bedeutung 1993 mit der Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe geadelt wurde, war zwischen 1572 und 1867 Sitz des evangelisch-lutherischen Landesbischofs von Siebenbürgen.
Kronstadt/Brașov | Im Zentrum des trapezförmigen Marktplatzes steht das nach dem großen Stadtbrand von 1689 mit barocken Fassaden wiederaufgebaute Rathaus. Östlich begrenzt die sogenannte Kornzeile den Platz, aus deren dreigeschossiger Bebauung einzig der Turm der 1896 vollendeten orthodoxen Kirche erhebt.
Kronstadt/Brașov | Unweit des Marktplatzes erhebt sich die seit dem Stadtbrand 1689 als „Schwarze Kirche” bezeichnete evangelische Stadtpfarrkirche als östlichster gotischer Kirchenbau Europas. Das Innere birgt reiche Kunstschätze, darunter die größte europäische Sammlung orientalischer Gebetsteppiche sowie eine bedeutende Orgel des Berliner Orgelbauers Buchholz.
Kronstadt/Brașov | Die neologe Synagoge der Stadt gehört zu den besterhaltenen Gotteshäusern der einstigen jüdischen Bevölkerung in Rumänien. In den 20003er Jahren umfassend restauriert, dient sie auch heute wieder einer kleinen jüdischen Gemeinde.
Tartlau/Prejmer | Am Rande der Ostkarpaten liegt Tartlau, dessen Kirche noch auf eine Gründung durch den Deutschen Orden zurückgeht und nach deren Vertreibung 1225 durch die Zisterzienser vollendet wurde. Die „Burg” wurde insbesondere im 16. Jahrhundert festungsartig ausgebaut.
Tartlau/Prejmer | Außergewöhnlich sind die bis heute in der Burg erhaltenen 270 Wohnkammern mit hölzernen Verbindungsgalerien. In einigen der Wohnräume ist das Leben im Belagerungsfall nachgestellt, so ist beispielsweise eine der größeren Kammern als Schulraum eingerichtet.
Deutsch-Weißkirch/Viscri | Als „alba ecclesia” im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt, war die weiß getünchte Kirchen namensgebend für den Ort. Im 15. Jahrhundert infolge der osmanischen Bedrohung zu einer Kirchenburg ausgebaut, wird die Anlage in ihrem ursprünglichen Charakter bis heute erhalten.
Deutsch Weißkirch/Viscri | Neben der eindrucksvollen Kirchenburg sind die siebenbürgisch-sächsischen Bauerhöfe sehenswert. Während in anderen Dörfer die historische Architektur stark gefährdet ist, wurden hier mit Unterstützung des englischen Mihai-Eminescu-Trust viele der Hofstellen denkmalgerecht restauriert. Deren Engagement wurde inzwischen mit der Einreihung von Dorf und Kirchenburg in das UNESCO-Weltkulturerbe geadelt.
Tagung: Schlösser und Herrenhäuser des Historismus in Nieder- und Oberschlesien sowie der historischen Neumark
Mit der zunehmenden Prosperität Schlesiens infolge der erfolgreichen Landwirtschaft (Stichwort: Zuckerrübenanbau) in Niederschlesien und der intensivierten Industrialisierung in Oberschlesien kam es seit Ende des 18. Jahrhunderts zu einer verstärken Bautätigkeit an Schlössern und Herrenhäusern, die einem zunehmenden Repräsentationsverständnis, aber auch dem gesteigerten Bedürfnis nach Wohnkomfort geschuldet war.
Zunächst entstanden zahlreiche Adelssitze im Stil des Klassizismus, dessen Hauptvertreter, der in Landeshut/Kamienna Góra geborene Carl Gotthard Langhans gerade auch in seiner Heimat wichtige Impulse setze, die durch seine Schüler, darunter Carl Gottfried Geißler, fortgeführt und weiterentwickelt wurden. Nach den Befreiungskriegen war es Karl Friedrich Schinkel, der den Klassizismus vollendete – und mit der Neogotik ein neues Kapitel in der Baugeschichte des Landes aufschlug, das mit der Schlossanlage von Kamenz/Kamieniec Ząbkowicki für Prinzessin Marianne von Oranien und der durch Oberbaurat Carl Wolf für Herzog Wilhelm II. von Braunschweig umgebauten Sommerresidenz Sibyllenort/Szczodre einen im Land unübertroffenen Höhepunkt erreichte. Aber auch die späteren Entwicklungen der Baugeschichte werden in diesem Vortrag gewürdigt und mit Beispielen belegt, wie den Residenzen der oberschlesischen Industriemagnaten, so dem im Zweiten Weltkrieg völlig zerstörten Schloss Neudeck/Świerklaniec der Grafen Henckel von Donnersmark, der pittoresken Schlossanlage des Zink-Magnaten Tiele-Winckler in Moschen/Moszna oder dem heute als Forstakademie genutzten Schloss Brynnek/Brynek, das zu Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Breslauer Architekten Karl Grosser in beeindruckenden Neobarockformen umgebaut wurde.
Im Glatzer Land/Kotlina Kłodzka (Polen), durch seine zahlreichen Kurbäder vom frühen 18. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg europaweit als „Gesundbrunnen Deutschlands“ bekannt, befanden sich rund achtzig Schlösser und Herrenhäuser von zum Teil überregionaler Bedeutung.
Bis vor wenigen Jahren war der Zustand der heute noch erhaltenen Anlagen noch überaus besorgniserregend, viele standen leer und harrten denkmalbewusster Enthusiasten und Investoren.
Doch neben einigen, nach wie vor akut gefährdeten Residenzen, wie dem Schloss Eckersdorf/Bożków nördlich von Glatz sind inzwischen die meisten kleinen und großen Adelssitze in guten Händen – etliche sind schon mustergültig renoviert oder derzeit noch in „in restauro“.
Längst herrscht in der zeitweise fast vergessen geglaubten Kulturlandschaft eine hoffnungsvolle Aufbruchstimmung – ähnlich wie im Hirschberger Tal/Kotlina Jeleniogórska, das als „Schlesisches Elysium“ längst über die polnischen Landesgrenzen hinweg bekannt ist und als Musterregioin für die Revitalisierung von Schlössern und Herrenhäusern gelten kann.
Der Vortrag schildert anhand historischem und aktuellem Bildmaterial die Geschichte des Landes und seiner Adelssitze – und zeigt neben den traurigen Beispielen für den nach 1945 einsetzenden rapiden Schlösserverfall die inzwischen zahlreichen Revitalisierungsprojekte. Zu diesen zählen beispielsweise die einst den Grafen Herberstein gehörende frühbarocke Schlossanlage von Grafenort/Gorzanów, ebenso wie die Schlösser von Mittelsteine/Ścinawka Średnia oder Scharfeneck/Sarny. Auch die inzwischen als elegante Schlosshotels und -pensionen genutzten Schlösser Kunzendorf/Trzebieszowice, Kamnitz/Kamieniec oder Pischkowitz/Piszkowice werden in diesem Vortrag entsprechend vorgestellt.
Veranstaltungsort
Schloss Krobnitz
Am Friedenstal 5
02894 Reichenbach/Oberlausitz
Tel.: 035828/88700
Im Rahmen der viertägigen Tagung „Siebenbürgische Kirchenburgen: Kunsthistorische Bedeutung, Strategien der Befundsicherung, Denkmalschutz und Nutzungskonzepte“ werde ich über das gesamteuropäische Problem leerstehender Kirchen referieren. Diese zu erhalten, für diese ggf. Umnutzungskonzepte zu entwickeln und sowohl die Gotteshäuser als auch – speziell in Siebenbürgen – die leerstehenden Pfarrhäuser und Schulen zu revitalisieren, ist eine gewaltige Aufgabe, der sich nicht nur die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien stellt.
In einigen Ländern, beispielsweise Großbritannien oder Frankreich, blickt man auf eine jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit gefährdeten Sakralbauten zurück, die, angepaßt an das geographische, gesellschaftliche und soziale Umfeld, auch Denkanstöße für gefährdete Kirchenburgen in Siebenbürgen liefern können.